Wir kämpfen für die Gastfreundschaft und Vielfalt unserer Stadt

Aufruf zum "Runden Tisch"

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Wir – die Initiative „Bars of Berlin“ – unterstreichen nachdrücklich, dass durch die Entscheidung des Berliner Senats vom 2. Juni 2020, Bars und Kneipen unter den gebotenen Hygienemaßnahmen zu öffnen, keineswegs unsere existentielle Notsituation gelöst wurde. Schlimmer noch: Weiterhin wird nicht differenziert auf unsere spezifische Betriebseigentümlichkeit als Schankwirtschaften eingegangen.

Zum einen wurde eine mehrmonatige Zwangsschließung angeordnet, deren Umsatzverluste auch durch die gewährten Soforthilfen lediglich bedingt ausgeglichen werden konnten. Und zum anderen stellen die zahlreichen Regeln der aktuellen Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung von Covid-19 eine extreme Belastung für uns da, die nur teilweise von dem Konjunkturpaket der Bundesregierung ausgeglichen wird.

Ob nun Service am Tisch oder Abstandsregeln – beides bedeutet einen logistischen und finanziellen Kraftakt für unser alltägliches Geschäft. Denn allein die Umsetzung dieser beiden Regeln haben als unmittelbare Folgen einen erhöhten Personalaufwand und führen außerdem zu geringeren Einnahmen: In einem Raum, in dem eine Gästeauslastung von nur 30 Prozent im Vergleich zum Normalzustand möglich ist, lässt sich schlichtweg und ergreifend nicht der gleiche Umsatz erwirtschaften. Ganz zu schweigen davon, dass Schutzmasken oder Anwesenheitslisten kaum etwas mit einer lockeren Baratmosphäre gemein haben.

Dabei zweifeln wir nicht an den notwendigen Regelungen, um eine Pandemie einzudämmen. Aber das ändert nichts daran, dass wir um unsere Zukunft bangen. Wir fürchten den Moment, wenn der Herbst kommt und den Gästen, um der Nässe und Kälte zu entfliehen, nur noch unsere stark dezimierten Sitzplätze im Innenbereich bleiben. Aber erst Recht fürchten wir dann die Kosten – Miete, Lohn- und Betriebskosten – die ungemindert weiterlaufen.

Wenn dem Berliner Senat tatsächlich etwas am Erhalt der vielfältigen Barlandschaft in dieser Stadt liegt, ist es zwingend erforderlich, endlich unserer Forderung nach einem „Runden Tisch“ Gehör zu schenken. Wenn wir jetzt nicht beginnen, gemeinsam Lösungen und Wege zu erarbeiten, wie wir die kommenden Monate überstehen können, sehen wir Schwarz. Und wenn wie bisher, die Entscheidungen, die auf uns als Bars abzielen, ohne uns und somit an unserer Fachkenntnis vorbeigetroffen werden, können sie nur zu unserem Schaden sein.      

Die Zeit drängt. Wir sind bereit und wir erwarten, dass auch der Berliner Senat seiner Verantwortung nachkommt. Es geht um mehr als nur um ein paar Existenzen und Jobs – es geht um die liberale und weltoffene Identität dieser Stadt. Wir sind davon überzeugt: Sollten wir, die „Bars of Berlin“, als soziale Räume, als Stätten der Begegnung und Freiheit in großer Zahl wegfallen, wird genau diese Identität einen irreversiblen Schaden nehmen. Dann wird Berlin nicht nur arm sein, nein, es wird nicht einmal mehr sexy sein.


Die Mitstreiter*innen von "Bars of Berlin"


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Ihr habt eine Bar und wollt mitmachen? Gerne beantworten wir eure Fragen.